{"id":221,"date":"2022-11-14T20:09:00","date_gmt":"2022-11-14T19:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rollybrings.de\/wordpress\/?p=221"},"modified":"2023-11-08T20:41:04","modified_gmt":"2023-11-08T19:41:04","slug":"rolly-brings-erhaelt-karl-kuepper-preis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rollybrings.de\/wordpress\/2022\/11\/14\/rolly-brings-erhaelt-karl-kuepper-preis\/","title":{"rendered":"Rolly Brings erh\u00e4lt Karl K\u00fcpper Preis"},"content":{"rendered":"\n<p>Laudatio <br>auf Rolly Brings <br>anl\u00e4sslich der Verleihung des <br>Karl-K\u00fcpper-Preises <br>an ihn am 14. November 2022 im K\u00f6lner Rathaus<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-c93480d2-20e7-4661-8106-b10fba411297\" href=\"http:\/\/www.rollybrings.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Laudatio_von_werner_jung.pdf\">Laudatio_von_werner_jung<\/a><a href=\"http:\/\/www.rollybrings.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Laudatio_von_werner_jung.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-c93480d2-20e7-4661-8106-b10fba411297\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-8f927a82-bb30-4540-85e4-04a0477bd95e\" href=\"http:\/\/www.rollybrings.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Grusswort_henriette_reker.pdf\">Grusswort_henriette_reker<\/a><a href=\"http:\/\/www.rollybrings.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Grusswort_henriette_reker.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-8f927a82-bb30-4540-85e4-04a0477bd95e\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Frau Oberb\u00fcrgermeisterin,<br>sehr geehrter Christoph Kuckelkorn,<br>sehr geehrter Bernhard Conin,<br>lieber Gerd K\u00fcpper und Familie<br>und vor allem: lieber Rolly Brings,<br>meine Damen und Herren<br><br>Der Karl-K\u00fcpper-Preis ist nicht irgendein Preis, einer von so vielen.<br>Das Besondere besteht allein schon darin, dass mit dem Preis ein ber\u00fchmter Karnevalist geehrt wird \u2013 Karl K\u00fcpper.<br>Der beste B\u00fcttenredner seiner Zeit.<br>Besonders ist jedoch auch, wer ihn gestiftet hat: das Festkomitee K\u00f6lner Karneval h\u00f6chst selbst.<br>Im Preis kann man eine Art Selbstverpflichtung des K\u00f6lner Karnevals se-hen, &#8211; anders als Jahrzehnte lang nach 1945 \u2013 sich seiner Geschichte (ins-besondere in der NS-Zeit) und seiner heutigen \u2013 ohne Zweifel \u2013 gro\u00dfen ge-sellschaftlichen Verantwortung zu stellen.<br>Dem Festkomitee und namentlich Christoph Kuckelkorn geb\u00fchrt daher Respekt daf\u00fcr, diesen Preis gestiftet zu haben.<br>Dies gilt auch f\u00fcr den mitbeteiligten Verein &#8222;Freunde und F\u00f6rderer des k\u00f6l-schen Brauchtums&#8220; mit Bernhard Conin.<br>Es gibt noch etwas Besonderes beim Karl-K\u00fcpper-Preis: was ausgezeichnet wird.<br>Wir haben es bereits geh\u00f6rt:<br>Er ist ein Preis f\u00fcr Zivilcourage und w\u00fcrdigt Verdienste f\u00fcr die F\u00f6rderung unserer Demokratie und f\u00fcr den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus.<br>Die Latte f\u00fcr diesen Preis liegt also hoch.<br>Doch unser heutiger Preistr\u00e4ger erf\u00fcllt dies auf besondere Weise: Rolly Brings.<br>Karl K\u00fcpper wird als unangepasst, widerborstig, kritisch, gradlinig, stand-haft, aufrecht beschrieben.<br><br>All das kann man auch \u00fcber Rolly sagen.<br>Karl K\u00fcpper und Rolly Brings sind Seelenverwandte.<br>Interessant auch, dass Rolly im M\u00e4rz 2019 \u00f6ffentlich gefordert hat, das Festkomitee m\u00f6ge \u2013 nein: sollte \u2013 f\u00fcr Karl K\u00fcpper einen Preis stiften.<br>Doch in dem Falle war das Festkomitee schneller und schon l\u00e4ngst in der Planung f\u00fcr den Preis.<br>Ein Lied auf Karl K\u00fcpper hat Rolly bereits vor drei Jahren geschrieben.<br>Wir werden es wohl nachher h\u00f6ren.<br>Rolly hat sich \u00fcber Jahrzehnte daf\u00fcr engagiert, wof\u00fcr er nun mit diesem Preis ausgezeichnet wird.<br>Wie ist es zu diesem langen Engagement gekommen?<br>Ein Blick in sein Leben und seinen beruflichen Werdegang verr\u00e4t es:<br>Im Klappentext zu einem Buch schreibt er \u00fcber sich selbst:<br>Seemann (mit 16 Jahren verlie\u00df er seine Familie und fuhr zur See), nach seiner R\u00fcckkehr wurde er Hilfsarbeiter und begann eine Lehre zum Ma-schinenschlosser bei Ford, dann folgte ein Lehrerstudium im Rahmen der Begabtenf\u00f6rderung, zudem wurde er \u2013 wie er es nennt \u2013 &#8222;Emmaus-Lumpensammler&#8220; (das hei\u00dft, er baute 1968 die Emmaus-Gemeinschaft in K\u00f6ln-Bocklem\u00fcnd auf) und schlie\u00dflich war er fast 40 Jahre Lehrer f\u00fcr Deutsch, Englisch, Geschichte und Gesellschaftslehre an Haupt- und Ge-samtschulen.<br>Dies ist der \u00e4u\u00dfere Rahmen.<br><br>Aber was bringt ihn seit seinen jungen Jahren zu diesem Engagement?<br>Was sind die offensichtlich unumst\u00f6\u00dflichen Bausteine f\u00fcr sein Denken und Handeln?<br>Was z\u00e4hlt zu seinem moralischen Kompass?<br>Ich will einige Aspekte nennen:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6ln<\/h2>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst ist hier seine Beziehung zu K\u00f6ln zu erw\u00e4hnen.<br>Rolly liebt seine Heimatstadt und setzt sich dennoch \u2013 oder gerade deswe-gen \u2013 mit ihr kritisch auseinander.<br>Er spricht von seinem &#8222;fast lebenslangen Dialog mit seiner Stadt, ihrer Ge-schichte, ihrem \u00f6ffentlich pr\u00e4sentierten Selbstverst\u00e4ndnis und ihren Be-wohnern.&#8220;<br>Und f\u00fcgt noch hinzu: &#8222;Dieser Dialog schlie\u00dft Disharmonie nicht aus.&#8220;<br>Doch kaum einer h\u00e4ngt so an &#8222;seiner&#8220; Stadt wie Rolly.<br>Wenn er das Stadtgebiet verl\u00e4sst, scheint sich automatisch Heimweh einzu-stellen.<br>Vom &#8222;lebensl\u00e4nglichen Heimweh&#8220; ist in einem seiner Texte \u2013 wenn auch in einem anderen Zusammenhang \u2013 die Rede.<br>Das Sch\u00f6nste am Reisen scheint f\u00fcr ihn die R\u00fcckkehr in seine Heimatstadt zu sein.<br>K\u00f6ln bezeichnete Rolly einmal als die &#8222;Unvollendete&#8220;.<br>Die Rheinl\u00e4nder w\u00e4ren ohnehin &#8222;schwer regierbar&#8220; \u2013 darauf \u2013 so meint er \u2013 sollte man eigentlich stolz sein.<br>Wer seine Texte liest, seine Lieder h\u00f6rt, erkennt seine gro\u00dfe Gelehrsamkeit und sein breites Interesse an der Geschichte der Stadt.<br>Zeitlich wird ein weiter Bogen gespannt: von der R\u00f6merzeit \u00fcber das Fr\u00fchmittelalter bis zur Neuzeit.<br>Rollys Geschichten sind zumeist Heldengeschichten.<br>Es sind nicht irgendwelche Menschen, sondern solche, die er in seinen \u2013 wie er sagt \u2013 &#8222;privaten Heldenkalender&#8220; aufgenommen hat.<br>Wie Agrippa, Thomas von Aquin, Nikolaus G\u00fclich, Robert Blum und dann Heinrich B\u00f6ll und Klaus der Geiger.<br>Und schlie\u00dflich die Heldinnen seiner Familie: die Mutter \u2013 die Zauberin \u2013 und die Tanten, die alle HB rauchten und das Parf\u00fcm einer Generation von Frauen auftrugen: Tosca.<br>Sie sprachen ein waschechtes K\u00f6lsch und sangen so wunderbar.<br>Sp\u00e4ter kommen weitere Helden hinzu.<br>Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Ein weitere Baustein f\u00fcr Rollys Seelengeb\u00e4ude: die k\u00f6lsche Sprache.<br>Kaum etwas ist f\u00fcr ihn wesentlicher als die k\u00f6lsche Sprache.<\/h2>\n\n\n\n<p><br>In ihr denkt und f\u00fchlt er.<br>Das K\u00f6lsche ist seine Muttersprache.<br>Rolly ist der k\u00f6lsche Liedermacher.<br>Wohl kaum jemand \u2013 mal von der Akademie f\u00f6r uns k\u00f6lsche Sproch abge-sehen \u2013 hat in den letzten Jahrzehnten so viel f\u00fcr die k\u00f6lsche Sprache getan wie Rolly Brings.<br>Er singt und schreibt zumeist auf K\u00f6lsch.<br>K\u00f6lsch ist f\u00fcr ihn unverbl\u00fcmt, ungeschminkt, n\u00e4her dran am Menschen als das Hochdeutsche.<br>So sagt er: &#8222;Wenn wir K\u00f6lsch sprechen, sind Herz und Kopf mit von der Partie.&#8220;<br>Und er besteht auch darauf: &#8220; \u2026 wer K\u00f6lsch spricht, ist deswegen noch lange nicht ungebildet oder dumm.&#8220;<br><br>So ist es ihm wichtig, seinem Publikum das K\u00f6lsche n\u00e4her zu bringen.<br>F\u00fcr jedes seiner Konzerte, die er h\u00e4ufig mit seinem Sohn Benjamin bestrei-tet, verteilt er Papiere mit den Texten seiner Lieder, die er vortr\u00e4gt, auf K\u00f6lsch und auf Hochdeutsch.<br>Das K\u00f6lsche ist das verbindende Element seiner Familie.<br>K\u00f6lsch wurde und wird in der Familie sehr gepflegt.<br>Das von ihm herausgebrachte &#8222;Evangelium auf K\u00f6lsch&#8220; wird &#8222;niederge-schrieben in der Tradition der Familie Brings&#8220;.<br>Die H\u00f6rb\u00fccher &#8222;Grimms M\u00e4rchen auf K\u00f6lsch&#8220; und &#8222;Fabeln auf K\u00f6lsch&#8220; werden \u2013 so hei\u00dft es \u2013 &#8222;erz\u00e4hlt von der Familie Brings und Freunden&#8220;.<br>Mit seinem Sohn Stephan hat er die Comicserie &#8222;Vater und Sohn&#8220; von Erich Ohser (alias e. o. plauen), die in den 1930er Jahren sehr erfolgreich war, &#8222;op K\u00f6lsch&#8220; mit Texten zu den Zeichnungen herausgebracht.<br>Doch man war gn\u00e4dig: Es gibt auch eine \u00dcbersetzung auf Hochdeutsch \u2013 im Anhang.<br>Das zusammen mit Christa Bhatt herausgegebene Buch mit dem sch\u00f6nen Titel &#8222;L\u00fcck sin och Minsche&#8220; stellt f\u00fcr ihn eine &#8222;Enzyklop\u00e4die der K\u00f6lner Redensarten&#8220; dar, wesentlich gespeist aus der Familientradition.<br>F\u00fcr Rolly ist es eine besondere Genugtuung, dass seine Kinder diese Fami-lientradition weiter fortsetzen. Eine k\u00f6lsche Familienbindung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>P\u00e4dagoge und Aufkl\u00e4rer<\/h2>\n\n\n\n<p><br>Kommen wir zum n\u00e4chsten Punkt: der P\u00e4dagoge und Aufkl\u00e4rer.<br>Wer glaubt, dem k\u00f6lschen Rolly Brings k\u00e4men nur heitere, leicht be-schwingte Texte aus der Feder und deren Unterhaltungswert sei von vorn-herein garantiert, der kennt Rollys B\u00fccher und Lieder nicht.<br>So berichtet Rolly in einem seiner B\u00fccher, dass er in den vergangenen 40 Jahren \u2013 Zitat \u2013 &#8222;des \u00d6fteren von Leuten, die es durchaus gut mit mir mei-nen, aufgefordert wurde, doch auch mal sch\u00f6ne Lieder zu schreiben &amp; zu singen: mit meinen Themen k\u00e4me ich ja wohl nie auf einen gr\u00fcnen Zweig &amp; stie\u00dfe gestandene Brauchtumsh\u00fcter nur vor den Kopf.&#8220;<br>So k\u00f6nnen sich gutmeinende Leute t\u00e4uschen.<br>Rollys Texte und Lieder sind per se kritisch und besch\u00e4ftigen sich vielfach mit sehr ernsten Themen.<br>Sie sind gegen den Strich geb\u00fcrstet; mit ihnen will er der Gesellschaft den Spiegel vorhalten.<br>Rolly hat ein starkes Sendungsbewusstsein.<br><br>Er will \u00fcberzeugen und aufkl\u00e4ren.<br>[Er] hat eine klare Botschaft.<br>Als sein Ziel benennt er: &#8211; Zitat \u2013 &#8222;Ich f\u00fchle mich mit Menschen verbunden und will mit ihnen weiterhin Sorge tragen, dass nicht vergessen wird, wo-hin es einst f\u00fchrte und zuk\u00fcnftig schleichend f\u00fchren kann, wenn wir nicht wachsam solidarisch sind und Antisemitismus, Rechtsextremismus \u2026 Ras-sismus, ideologischen (aber auch religi\u00f6sen) Fanatismus nicht bek\u00e4mpfen.&#8220; Zitatende<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Menschen, die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sind f\u00fcr ihn die ersten An-sprechpartner.<br>Politikerinnen und Politiker, sich wichtig nehmende Repr\u00e4sentanten dieser Gesellschaft, auch dieser Stadt, sind ihm zun\u00e4chst einmal grunds\u00e4tzlich suspekt \u2013 erst wenn er sie pers\u00f6nlich kennenlernt, mag sich das \u00e4ndern.<br>Dann spielt eine Parteizugeh\u00f6rigkeit keine Rolle.<br>Der Rebell Rolly ist jedoch ein Rebell der besonderen Art, n\u00e4mlich ein Re-bell mit Beamtenstatus.<br>Er war fast 40 Jahre verbeamteter Lehrer.<br>Wenn er mal wieder nah an die Grenze des f\u00fcr seine Vorgesetzten Zumut-baren geraten war, wurde er zu seinem Arbeitgeber zitiert, ins Regierungs-pr\u00e4sidium in der Zeughausstra\u00dfe.<br>Geradezu anachronistisch mutet heute der Vorgang an, dass er zum Schul-rat kommen musste, weil er in die Aula seiner Schule f\u00fcr seine Sch\u00fclerin-nen und Sch\u00fcler ehemalige Widerstandsk\u00e4mpferinnen und \u2013k\u00e4mpfer, auch ehemalige Edelwei\u00dfpiraten eingeladen hatte.<br>Denn diese \u2013 so der Vorwurf \u2013 seien ja kriminell gewesen.<br>Wo st\u00fcnden wir heute, wenn Du nicht schon damals dagegengehalten h\u00e4t-test?<br>Ein anderes Beispiel l\u00e4sst einen heute eher schmunzeln.<br>Zusammen mit Sch\u00fclerinnen, Sch\u00fclern [und Eltern] veranstaltete Rolly ein sit-in, also einen Sitzstreik, vor den T\u00fcren zum B\u00fcro des Regierungspr\u00e4si-denten.<br>Es ging dabei um die Hauptschule Piusstra\u00dfe, wo er unterrichtete.<br>Es war Asbest in der Schule entdeckt worden, doch die Sanierung sollte im laufenden Betrieb erfolgen; eine vor\u00fcbergehende Auslagerung an einen an-deren Ort war nicht vorgesehen.<br>Die Auseinandersetzung mit dem Hausherrn Franz-Josef Antwerpes \u2013 als moderner Kurf\u00fcrst bekannt \u2013 soll so lebhaft gewesen sein, dass Teile davon auf einer Festveranstaltung wie dieser nicht zitierf\u00e4hig sind.<br>Auch wenn dies wie eine witzige Anekdote klingt, gab es damals zum Schmunzeln keinen Anlass.<br><br>Es war bitterer Ernst.<br>Ein Lehrer, dem zum wiederholten Mal Disziplinarverfahren drohten, musste f\u00fcrchten, aus dem Schuldienst entlassen zu werden.<br>Eine reale Gefahr f\u00fcr den Vater von damals drei Kindern \u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Individualist<\/h2>\n\n\n\n<p><br>Kommen wir zu einem weiteren Punkt &#8212; Rolly ist ein Individualist.<br>Das verwundert vielleicht insofern, weil der famili\u00e4re Hintergrund f\u00fcr ihn so wesentlich ist.<br>Sicherlich ist er ein ausgepr\u00e4gter Familienmensch, sicherlich auch einer, der Freundschaften pflegt.<br>Doch ohne Zweifel ist er auch ein Einzelg\u00e4nger, in sich selbst ruhend, sich gewisserma\u00dfen selbst genug, und vor allem eins: soweit wie m\u00f6glich unab-h\u00e4ngig und frei von allem und jedem.<br>Auch seine Texte zeigen: Er lebt in seinem eigenen Universum.<br>Er macht die Lieder, die er will, nicht die andere von ihm wollen.<br>Unmittelbar nach seiner Familie kommt seine Gitarre \u2013 ohne die geht gar nichts \u2013 der Garant f\u00fcr den R\u00fcckzug in seine ureigene (k\u00fcnstlerische) Welt.<br>Rolly war nie in einer Partei \u2013 als Individualist h\u00e4tte er sich dabei auch ei-nigerma\u00dfen unwohl gef\u00fchlt.<br>Die Idee, ein Parteis\u00e4nger zu werden und im Vorprogramm zu Parteitagen aufzutreten, l\u00e4sst ihn noch heute schaudern.<br>Im Sitzungskarneval ist er nie aufgetreten.<br>Seine Lieder und Ideen passten nicht auf die Karnevalsb\u00fchne \u2013 und umge-kehrt.<br>Er ist gl\u00e4ubiger Katholik, aber der Papst oder gar der Kardinal haben ihm nichts zu sagen.<br>Rolly spricht von einem &#8222;tiefsitzenden Misstrauen gegen\u00fcber der Amtskir-che&#8220; und meint, im rheinl\u00e4ndisch-k\u00f6lnischen Katholizismus spiele &#8222;fast ausschlie\u00dflich Marien-Verehrung&#8220; eine Rolle.<br>K\u00f6lsch-katholisch eben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Der Blick &#8222;vun unge&#8220; \u2013 &#8222;Das andere K\u00f6ln&#8220;: die Menschen und Themen auf der Schattenseite<\/h2>\n\n\n\n<p><br>Kommen wir auf einen abschlie\u00dfenden Punkt.<br>Der Blick &#8222;vun unge&#8220; auf &#8222;das andere K\u00f6ln&#8220;.<br>Die lange Zeit verdr\u00e4ngten Seiten der K\u00f6lner Geschichte, die unbekannten k\u00f6lschen Helden, den Blick auf die Au\u00dfenseiter und an den Rand der Ge-sellschaft Gedr\u00e4ngten, politische Themen und die Menschen aus dem Ar-beitermilieu, das Erinnern an Verfolgte und Ermordete.<br><br>Das sind seine Themen.<br>Ihnen widmet er sich seit Jahrzehnten.<br>Die sogenannte feine Gesellschaft oder Porsche zu fahren, das interessiert ihn herzlich wenig.<br>1986 ver\u00f6ffentlichte er die Kassette und das Album &#8222;F\u00fcr ein besseres Mor-gen. Lieder auf K\u00f6lsch&#8220;.<br>Darin finden sich politische Lieder \u00fcber Nelson Mandela und Nicaragua, \u00fcber ganz normale Menschen wie einen Sinto, eine t\u00fcrkische Arbeiterin und einen t\u00fcrkischen Arbeiter und die &#8222;Ballad vum Facharbeider Klein un dem Mikrochip&#8220;.<br>Es wurden zudem zwei Lieder aufgenommen, die auch heute noch h\u00e4ufig gespielt werden: &#8222;Edelwei\u00dfpiraten&#8220; (1983 geschrieben und von den Bl\u00e4ck F\u00f6\u00f6ss in ihr Repertoire aufgenommen) und das Lied &#8222;EL-DE-Huus&#8220;, das 1982\/83 komponiert wurde und noch heute bei jedem Auftritt von Rolly im EL-DE-Haus gespielt wird.<br>Zur 150. Wiederkehr der Revolution von 1848 ver\u00f6ffentlichte er 1998 Tex-te und Lieder.<br>Die Perspektive ist auch hier klar definiert:<br>Der Titel lautet &#8222;1848 vun unge&#8220;.<br>Ohne Frage spielt die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit in seinem priva-ten Leben und seinem k\u00fcnstlerischen Schaffen \u2013 sei es als Musiker, sei es als Poet \u2013 eine grundlegende und sinnstiftende Rolle.<br>Neue Freunde werden in seinen &#8222;Heldenkalender&#8220; aufgenommen: Maria Fensky, Toni Fleischhauer, Ferdi H\u00fclser oder die Edelwei\u00dfpiraten Fritz Theilen, Jean J\u00fclich und Wolfgang Schwarz sowie sp\u00e4ter Mucki Koch.<br>Der [aktualisierte] Text &#8222;Morje, morje&#8220; \u2013 als Lied auch von den Bl\u00e4ck F\u00f6\u00f6ss gesungen \u2013 ist nach 30 Jahren noch so, als w\u00e4re er auf heutige Rechtsextreme geschrieben.<br>Seine Texte und seine Lieder wie &#8222;Edelwei\u00dfpiraten&#8220; und &#8222;EL-DE-Haus&#8220; sind lange Balladen, weil er einer Generation von Menschen erst einmal \u00fcberhaupt die versch\u00fcttete und verdr\u00e4ngte Geschichte zu erz\u00e4hlen hatte.<br>Die zentralen Themen Rollys sind auf erstaunliche Weise gleichgeblieben.<br>Jahrzehnte \u2013 mittlerweile ein halbes Jahrhundert \u2013 scheinen keine Rolle zu spielen.<br>Rolly ist sich treu geblieben \u2013 w\u00e4hrend andere gleich mehrmals im Jahr &#8222;ihr&#8220; Thema und ihre Meinung \u00e4ndern, sich dem Zeitgeist anpassen \u2013 ist es Rolly eigentlich egal, ob er f\u00fcr die Themen, die er f\u00fcr wichtig h\u00e4lt, Anh\u00e4-nger und Mitstreiter findet oder nicht.<br>Dass es so ist, dar\u00fcber freut er sich nat\u00fcrlich.<br><br>Seit 39 Jahren veranstaltet er am 10. November in Ehrenfeld die Gedenk-veranstaltung f\u00fcr die 1944 dort Hingerichteten, unter ihnen deutsche Ju-gendliche, die zuvor Edelwei\u00dfpiraten waren.<br>Bei Wind und Wetter, bei wenigen oder vielen Besuchern.<br>Mittlerweile doch mit einigem Erfolg, denn in der Einsch\u00e4tzung der Rolle der Edelwei\u00dfpiraten hat sich in den letzten Jahren doch erfreulicherweise viel getan.<br>Rolly w\u00fcrde die Gedenkveranstaltung aber auch durchf\u00fchren \u2013 und da bin ich mir ganz sicher \u2013 wenn er fast alleine dort stehen w\u00fcrde.<br>Seit einigen Jahren ist auf Rollys Initiative eine Erinnerung an die verfolg-ten und ermordeten Sinti und Roma hinzugekommen:<br>Seit mittlerweile 18 Jahren findet j\u00e4hrlich im Mai, dem Jahrestag der De-portation der Sinti und Roma vom sogenannten Schwarz-Wei\u00df-Platz, eine Gedenkfeier auf der Venloer Stra\u00dfe statt.<br>Mit dabei sind zwei ehemalige Sch\u00fcler des Lehrers Brings:<br>Markus Reinhardt und Janko Wiegand.<br>Intensiv hat sich Rolly auch mit der j\u00fcdischen Geschichte in K\u00f6ln w\u00e4hrend des NS-Regimes besch\u00e4ftigt.<br>Sein Lied &#8222;David&#8220; geht einem immer wieder unter die Haut.<br>Etliche Gedichte des jiddischsprachigen Dichters Itzik Manger hat er ver-tont.<br>Der Kampf gegen den Antisemitismus ist f\u00fcr ihn eines seiner zentralen An-liegen.<br>Hervorzuheben ist dabei eine von ihm in Zusammenarbeit mit der Synago-gen-Gemeinde organisierte gro\u00dfe Veranstaltung vor der Synagoge Roon-stra\u00dfe im November 1998, dem 60. Jahrestag des Pogroms von 1938.<br>Rolly bem\u00fcht sich immer wieder, das Erinnern in den \u00f6ffentlichen Raum zu bringen.<br>Nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf sein Engagement f\u00fcr das NS-Dokumenta-tionszentrum in den letzten Jahrzehnten.<br>Er war f\u00fcr uns ein sehr verl\u00e4sslicher Freund und Weggef\u00e4hrte.<br>Dutzende Benefizkonzerte hat er (zumeist zusammen mit Bejamin) f\u00fcr uns gegeben.<br>Rolly hat \u2013 aus eigenem Antrieb heraus \u2013 eine Art Patenschaft \u00fcber das NS-DOK und das EL-DE-Haus \u00fcbernommen.<br>Seine Z\u00e4higkeit und sein Durchhalteverm\u00f6gen \u00fcber so viele Jahre hinweg, das bewundere ich bei ihm am meisten.<br>Er bleibt der, der er immer war: authentisch, unangepasst, frei und enga-giert f\u00fcr Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.<br><br>Ein K\u00e4mpfer gegen Antisemitismus und Antiziganismus, gegen Diskrimi-nierung und Rassismus, f\u00fcr Demokratie und Gleichberechtigung.<br>\u00dcber Rolly k\u00f6nnte ich nat\u00fcrlich noch einiges mehr erz\u00e4hlen.<br>Doch die Satzung des Komitees f\u00fcr den Karl-K\u00fcpper-Preis r\u00e4t davon ab.<br>In dieser klugen Satzung ist n\u00e4mlich alles geregelt \u2013 im \u00a72 auch die Durch-f\u00fchrung der Feier: &#8222;Neben dem \u00dcberreichen des Preises soll eine Laudatio gehalten werden.&#8220;<br>Und schlie\u00dflich folgt der letzte Satz im \u00a72: &#8222;Die M\u00f6glichkeit zum lockeren Austausch sollte gegeben sein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Daher endet hiermit die Rede.<br>Nochmals herzlichen Gl\u00fcckwunsch an Rolly Brings und vielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Werner Jung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laudatio auf Rolly Brings anl\u00e4sslich der Verleihung des Karl-K\u00fcpper-Preises an ihn am 14. 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